Ein Ausflug in die Botanik des Garten
Die Pflanzenauswahl Im Vordergrund steht die Verwendung
historischer Nutzpflanzen. Der Gemüsegarten wird ausschließlich Speise- und Gewürzpflanzen ausstellen,
die nachweislich vor 1500 n.Chr. angebaut wurden.
Die Pflanzen werden, soweit möglich, in der heute noch vorkommenden Wildform bzw.
in heute nicht mehr gebräuchlichen Sorten verwendet. Somit kann ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung der
Sortenvielfalt unserer Kulturpflanzen geleistet werden.
Mit der Ausstellung alter Nutzpflanzen soll einer breiten
Bevölkerung Ursprung und Entwicklung der Nährungs-, Würz- und Heilmittel näher gebracht werden.
Es wird betont, dass die heimische Flora eine Fülle von Nutzbarem in sich birgt, unsere Nahrungs-, Gewürz-
und Heilpflanzen aber vorwiegend auf eingeführten Arten beruhen.
Kulturpflanzen sind aus kulturhistorischer Perspektive ebenso faszinierend wie andere Kulturleistungen der
Geschichte. Anbau- und Nutztraditionen waren immer schon prägend für Generationen. Nicht nur als Speise,
sondern seit frühesten Zeiten auch als Medizin und Rohstoff für Kleidung, Haushalts- und andere
Nutzgegenstände. Sie sind lebendiger Ausdruck und Spiegel von Zeiten und Völkern. Oft überdauerten
Kulturpflanzen und das Wissen um sie schwierige Zeiten nur in bestimmten Gesellschaftsschichten: so beispielsweise
bewahrten Mönche des Mittelalters die Kenntnisse vieler antiker Pflanzen auf.
Durch die Verwendung historischer Nutzpflanzen und die Vermittlung ihrer Geschichte wird der Ursprung eines
großen Teiles unserer Traditionen sichtbar gemacht und eine Periode aus der Entwicklung unserer Kulturlandschaft
veranschaulicht.
Die Pflanzenzusammenstellung in den Beeten
Da eine korrekte Rekonstruktion von Nutzgartenanlagen aus dem bearbeiteten Zeitraum nicht möglich ist, wurde bei
der Anordnung der Pflanzen auf eine Annäherung an eine historische Beetzusammenstellung verzichtet. Es soll
vermieden werden, dass sich ein verfälschtes Bild zu diesem Aspekt verbreitet. Die Priorität liegt auf
einer abwechslungsreichen und vielseitigen Kombination der Pflanzen. Dadurch entstehen ungewöhnliche,
möglichst kontrastreiche Zusammenstellungen, die die einzelne Art nicht mehr nur als nutzbares „Material”
darstellen, sondern auch ihrer individuellen Ästhetik zur Geltung bringt.
Auch die Stückzahl der einzelnen Arten wird offensichtlich nicht einen vermuteten Bedarf zur Versorgung
decken, sondern ebenfalls nach rein ästhetischen Gesichtspunkten bestimmt. (Zur späteren Abdeckung
der Projektarbeiten im Zusammenhang mit Schulungen und Vorführungen sind die dafür
flächenmäßig besser geeigneten Flachbeete vorgesehen.)
Prinzipiell sind die Ansprüche, insbesondere an den Wasserbedarf, der einzelnen Arten für die Kombination
ausschlaggebend. Durch den Aufbau der Hochbeete ist eine optimale
Nährstoffversorgung und Belüftung
gegeben und somit ist dies, bis auf wenige Ausnahmen, kein Einschränkungskriterium.
Gemüse- und Würzgarten
Auf 21 Hochbeeten sind meist drei, in Ausnahmen auch zwei oder vier Pflanzenarten miteinander kombiniert.
Jede Art soll in ihrer Eigenheit von Wuchsform, Höhe, Farbe und Blattstruktur betont werden und von allen
Seiten des Beetes gleichermaßen betrachtbar sein. Dies wird dadurch erreicht, dass in die Mitte die Pflanzen
mit der größten Wuchshöhe gesetzt werden.
Die Besonderheit und der Reiz der Anlage liegt in der Verwendung von Nutzpflanzen nach ästhetischen
Gesichtspunkten und nicht, wie sonst üblich, nach Ertragsansprüchen. Gemüsepflanzen wirken eher
streng und graphisch durch die auf wenige nutzbare Pflanzenteile ausgerichtete Züchtung, im Gegensatz zu
Zierpflanzen, bei denen Blüte und Wuchsform herausgearbeitet wurden. Diese sehr eigentümliche Optik
wird unterstrichen, in dem die feingliedrigen, meist einjährigen Gewürz- und Salatpflanzen
gleichmäßig in die Zwischenräume eingestreut werden. Sie wirken so als kontrastverstärkender
Hintergrund oder Füllung. Vor und nach ihrer Vegetationszeit sowie in den Beeten ohne Einstreukräuter
übernimmt diese Funktion die Deckschicht aus Stroh.
Um den Besuchern zu ermöglichen, die einzelnen Arten in
ihren verschiedenen Entwicklungsstufen erleben zu können, ist es notwendig, die dafür in Frage kommenden
Pflanzen periodisch nachzusäen bzw. nachzupflanzen. Bei den zwei- und mehrjährigen Arten, die aus
Verarbeitungsgründen üblicherweise im ersten Jahr verbraucht werden, verbleiben ausgewählte
Exemplare im mittleren Bereich der Beete bis zur Vollendung ihres gesamten Vegetationszyklusses. So steht z.B.
die Kopfform vom Kohl des ersten Jahres vor der hochgeschossenen, blühenden Form des Zweiten.
Neben der Möglichkeit des Vergleichens der verschiedenartigen Zustände bietet dieses Verfahren auch
die Eigenproduktion von Saatgut an.
Feldfruchtgarten
Die langen Reihen der Flachbeete hinter dem Pumpenhaus stellen eine Assoziation zur mittelalterlichen
Feldwirtschaft dar. Auf ihnen werden größere Mengen Kräuter- und Gewürzpflanzen für die spätere
Verarbeitung zu klostereigenen Produkten, wie Duftsäckchen, Kräuteressige und -öle, etc. angebaut.
Ein kleiner Einblick über die im Mittelalter gesammelten Wildkräuter geben die dem Pumpenhaus nahe gelegenen
3 Beete. Bärwurz, Nachtviole, Giersch und andere Pflanzen, die wir heute teilweise nur noch als
„Unkräuter” kennen, werden hier ausgestellt.
Weiterhin werden in Vergessenheit geratende Getreidearten, wie Emmer, Einkorn, Buchweizen usw., veranschaulicht.
Wie vielfältig und spannend die Geschichte des Getreides ist und wie sich die Wuchsform von Einkorn und dem
heute bekannten Weizen verändert hat, all das kann man auf den Flachbeeten sehen. Wussten Sie, dass der
Buchweizen nicht zum Getreide, sondern zu den Knöterichgewächsen gehört? Diese und andere Fragen
versuchen wir in unserem Garten zu beantworten.
Färbergarten
Eine Auswahl an alten Färbepflanzen wird im hinteren Bereich des Nutzgartens ausgestellt. Gleich dem
Feldfruchtgarten sind hier Flachbeete angelegt. Diese besitzen, angepasst an die abnehmende Gartenbreite, eine
geringere Länge. Artenvielfalt, wie im Gemüse- und Würzgarten, nicht Quantität steht im
Vordergrund. So lange
der Mensch sich in Textilien kleidet, so weit reicht auch die Geschichte der Färberei zurück. Als
Färbepflanzen werden all die Pflanzen bezeichnet, deren Inhaltsstoffe für Färbezwecke genutzt werden.
Es sind der Experimentierfreude beim Färben mit Pflanzen keinerlei Grenzen gesetzt. Wir zeigen Ihnen in
unserem Färbegarten, dass Färbepflanzen auch für den normalen Hausgarten als Schnitt- oder
Rabattenpflanze geeignet sind und dass man mit „Unkräuter” Farbe in Wäsche und Speisen
bringen kann.
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